Blockzugang 112/113: Keine kurzfristige Lösung in Sicht

Südkurve gegen ValenciaIn den letzten Tagen haben uns viele Anfragen von Fans und Journalisten erreicht, ob es „von Seiten der Ultras gegen Juventus Turin wieder einen Boykott geben würde.“ Leider ist schon die Frage falsch. Wobei es immer noch besser ist, solch eine Frage zu stellen, als gar keine Informationen auf der Fanseite einzuholen, bevor man einen Artikel veröffentlich (wie es z.B. tz-online nach dem Arsenal-Rückspiel gelungen ist).

Hätte man vor 30 Jahren einen DDR-Bürger mit einem leicht empörten Unterton gefragt, warum er bei der Wahl seiner Urlaubsziele denn immer westdeutsche Urlaubsregionen boykottiert, hätte es dem Ostdeutschen wohl ähnlich die Sprache verschlagen, wie es aktuell einigen Fans geht. Um den Besserwisser-Anteil in dieser E-Mail nicht in unerträgliche Höhen schnellen zu lassen ersparen wir uns nun Ausführungen zum Thema Reisefreiheit in der deutschen Geschichte, bitten jedoch darum, einige Fakten zu Kenntnis zu nehmen, um Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln:

Nach unseren Schätzungen können 3/4 der jungen Fans, die in der Bundesliga im Block 112/3 hinter dem Tor für Stimmung sorgen, bei ChampionsLeague-Spielen KEINE Karte für diesen Block erwerben, da sie KEINE Jahreskarte in diesem Bereich haben. Und da es mit der Änderung der Zugangsmodalitäten seit dieser Saison in der CL nicht mehr möglich ist, mit Karten für andere Bereiche in diesen Block zu gelangen, stellt sich für diese 3/4 der Fans nicht die Frage, ob sie einen Boykott machen, sondern sie müssen irgendwo anderes im Stadion verteilt sitzen, was rechtlich gesehen vollkommen korrekt ist. Aber natürlich auch dazu führt, dass diese Fans hinter den Tor fehlen, und somit dort auch keine Stimmung machen können.

Der Club Nr.12 hat in den vergangenen sechs Monaten zahlreiche Vorschläge gemacht, um dieses Problematik zumindest zu entschärfen. Leider fällt die Bilanz jedoch ernüchternd aus. Bespielhaft sollen noch einmal zwei Ideen erläutert werden, bei denen wir jedoch selber zugeben müssen, dass es sich eher um Flickwerk als eine große dauerhafte Lösung handelt:

1. Freigabe von nicht genutzten Einlasskarten. Nach unseren Erfahrungen – und zu unserem Unverständnis – lassen viele Besitzer von Jahreskarten in den Blocke 112/3 seit Jahren ihre Eintrittskarten verfallen oder nutzen sie nur zum Betreten des Stadions, und suchen dann andere Plätze auf. Unser Vorschlag war, einen Großteil der deshalb nicht genutzten Einlasskarten nach einer gewissen Zeit nach Spielbeginn freizugeben. Die Vereinsführung hat diesen Vorschlag jedoch abgeschmettert, da jeder Eintrittskartenbesitzer auch das Recht hat, erst zur zweiten Halbzeit zu kommen und dann auf seinen leeren Platz kommen muss. In der Praxis hat es beim Heimspiel gegen Arsenal so ausgesehen, dass der CheckIn-Schalter spätestens zur Halbzeit geschlossen wurde, und ein zu spät kommender Fan somit trotz Eintrittskarte gar nicht mehr auf seinen Platz in 112/3 kommen konnte…

2. Kartentauschbörse: Beim Spiel gegen Arsenal hatte der Club Nr.12 hinter der Kurve eine Kartentauschbörse eingerichtet. Die Idee: Fans mit Karten für 112/3, die nur in Ruhe das Spiel schauen wollen tauschen ihre Karten mit Fans, die unbedingt in 112/3 Stimmung machen wollen. Die Resonanz auf dieses Angebot war jedoch sehr schwach. Es konnte gerade mal ein Dutzend Tauschpartner gefunden werden. Ein Grund hierfür lag wohl darin begründet, dass diejenigen die sich in den Block tauschen wollten größtenteils nur einzelne Tickets anzubieten hatten, was bei den meist in kleinen Grüppchen auftretenden Fans, die gerne auf zusammenhängende Sitzplätze gewechselt wären, natürlich kaum Anklang fand. Da das erzielte Ergebnis in keinem Verhältnis zum Aufwand stand, werden wir vor dem Spiel gegen Turin die Tauschbörse nicht wiederholen. In Anbetracht dieser fast schon verzweifelten Versuche, stimmungswillige Fans in den Block zu bekommen, von einem Boykott zu sprechen zeigt zumindest von einem sehr lückenhaften Informationsstand.
Was erwartet uns nun gegen Juventus Turin? Die Rahmenbedingungen haben sich seit dem letzten CL-Spiel zumindest nicht gebessert. Sogar Versuche, in andern Blöcken kleine „Stimmungshaufen“ zu bilden sind wohl zum Scheitern verurteilt: Beim Spiel gegen Arsenal wurden erstmals auch im Bereich Südkurve-Seite die Bewegungsfreiheit der Fans eingeschränkt. Während sich bisher die Fans im Bereich 114-116 frei zwischen diesen Blöcken bewegen konnten, wurden vor dem letzten CL-Heimspiel Fans in den Blöcken kontrolliert und dann in den Block zurückgeschickt, der auf ihrer Karte aufgedruckt war. Ob es sich dabei nur um einen etwas über das Ziel hinaus geschossenen und so nicht geplanten Einsatz der Ordner gehandelt hat, oder ob es sich dabei um einen ersten Schritt handelt, jeden Fan in der Südkurve zu zwingen, sich nur noch auf seinem vorgegebenen Platz aufzuhalten, konnten wir bis heute nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht wird dies aber schon heute Abend im Stadion beantwortet.

Wie gut die Stimmung gegen Turin im Stadion wird, hängt von allen anwesenden Bayernfans ab. Der größte Teil des Stimmungsmotors der Ultras in 112/3 wurde zumindest für dieses Spiel im wahrsten Wortsinn in seine Bestandteile zerlegt. In wieweit das durch das Verteilen von Klatschpappen oder durch einen stimmungsfördernden Spielverlauf kompensiert werden kann, bleibt abzuwarten.

Langfristig halten wir nachwievor ein größeres Angebot an echten Stehplätzen in der Südkurve für den wichtigsten Lösungsbaustein. So wie es aussieht, werden wir in dieser Kategorie nun in der Bundesliga sogar auf den letzten (!) Tabellenplatz abrutschen. Selbst wenn man die 400 zu Saisonbeginn in der Nordkurve neu geschaffenen Stehplätze zu den Blöcken 112/3 dazurechnet, haben wir in Zukunft weniger echte Stehplätze als die Fans von Bayer Leverkusen.

http://www.ksta.de/bayer-04/bayarena-stehplatz-bereich-wird-aufgestockt,15189374,22173340.html

Quelle: Club Nr. 12-Newsletter

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