Die ganz eigene FC Bayern-Art (Kurze Fassung)

Auf einer Sitzung des so genannten „Arbeitskreis Fandialog“ vor dem Heimspiel gegen Freiburg haben die Verantwortlichen des FC Bayern verkündet, dass sie ab der Saison 13/14 vor die Eingänge zu den Blöcken der Südkurve im Unterrang Drehkreuze installieren wollen.

Obwohl es Anfragen nach Gesprächsterminen von Fanvertretern gab, die eigene Konzepte zur Diskussion stellen wollten und es somit Alternativen zu dieser Entscheidung gegeben hätte, haben die Offiziellen des FC Bayern diese Entscheidung über die Köpfe hinweg und gegen den Willen der Fans getroffen. Dem wird dadurch die Krone aufgesetzt, dass von einer „einvernehmlichen Lösung“ geredet wird, die im Dialog entstanden sei.

Die ab nächster Saison installierten Drehkreuze machen es unmöglich, ohne für den Bereich gültige Eintrittskarte in den jeweiligen Block zu kommen. Anhand des Eincheck-Vorgangs an den Drehkreuzen wird genau erfasst werden, welcher Fan bei welchen Spielen war und wann er den Block betreten und verlassen hat. Diese Drehkreuze sind Ausdruck für den Wunsch der Offiziellen, eine totale Kontrolle auszuüben. Sie haben für die Vereinsführung den netten Nebeneffekt, kritische Stimmen mundtot machen zu können und unliebsame Fans auszusperren, da der Kurvengänger durch die elektronischen Drehkreuze zum gläsernen Fan wird. Sie zerstören die Fankultur in der Südkurve. Denn Fankultur lebt von Spontanität und Freiräumen und stirbt bei totaler Kontrolle. Einer dieser essentiellen Freiräume ist die Möglichkeit sich in der Fankurve zusammenzufinden, um gemeinsam anzufeuern.


Nach der Südkurve ist die Nordkurve dran. In absehbarer Zeit sollen auch dort und später dann im ganzen Stadion Drehkreuze installiert werden. Erklärtes und auch auf der Sitzung formuliertes Ziel ist es, dass jeder Fan brav an dem Platz sitzt, der ihm zugeteilt wird. Eine Woche nach Bekanntgabe der Drehkreuz-Pläne wurden alle Jahreskarteninhaber in der Südkurve angeschrieben, abzustimmen, ob sich die Offiziellen dafür einsetzen sollen, dass innerhalb der Südkurve freie Blockwahl geschaffen wird. Ohne Zweifel würde eine freie Blockwahl grundsätzlich eine Verbesserung der Situation darstellen.
Sie löst aber das vorhandene Problem nicht, da der Großteil der Fans aus dem Stimmungskern ohne gültige Karte für die Blöcke 112 und 113 auch keine Karten für die anderen Blöcke der Südkurve hat und damit weiter nicht in die Südkurve kommt.

Für die Offiziellen stellt das eine win-win-Situation dar, die Fans können nur verlieren. Getreu dem Grundsatz „divide et impera“ wird die Fanseite geschickt auseinanderdividiert. So oder so können sich die Offiziellen das Feigenblatt anheften, auf Vorschläge der Fans einzugehen, und damit von dem schwerwiegendsten und nachhaltig schädlichstem Eingriff in die Südkurve mindestens seit Teilung der Kurve in Nord und Süd beim Umzug nach Fröttmaning ablenken.

Wir nehmen parallel zu all diesen Entwicklungen wahr, dass Offizielle perfide und offen, geschickt und tolLpatschig versuchen, einen Keil zwischen verschiedene Fangruppen zu treiben. Oft fällt ihnen das nicht so schwer, da beide oder besser viele Lager in München in Parallelwelten nebeneinander her leben. Es fällt ihnen nicht sehr schwer, weil wir sicherlich auch nicht immer alles richtig machen. Es fällt ihnen nicht schwer, weil viele fälschlicherweise der Meinung sind, wir würden uns für „die besseren Fans“ halten, weil sie es missverstehen, dass wir einfach ANDERE Fans sind, die ihr Fansein auf andere Art und Weise ausleben, die andere Wünsche haben und auch anders auftreten. Respekt untereinander beinhaltet aber auch eben diese Erkenntnis und gegenseitige Toleranz für diese unterschiedlichen Auffassungen. Und es ist nicht gerade eine Form von Respekt, uns als Stimmungs-Dienstleister zu sehen, die man aufs gröbste beleidigen kann, wenn wir aus unseren Gründen mal nicht das machen, was man von uns erwartet und uns so verhalten, wie jeder andere im Stadion. Wir haben als Gruppe vor einiger Zeit einen Weg eingeschlagen, der eben auf Respekt, ehrlichen Umgang miteinander und Dialog basiert. Daran werden wir festhalten.

Wir wünschen uns eine Südkurve mit Stehplätzen von Eckfahne bis Eckfahne ohne Drehkreuze, wie es fast überall in der Bundesliga möglich ist. Wir wünschen uns einen ehrlichen Dialog, wie er fast überall in der Bundesliga möglich ist. Wir wünschen uns endliche eine NEUE UND EHRLICHE ART DES UMGANGS MITEINANDER.

Wir werden die Sommerpause nutzen, um uns mit möglichst vielen Fans, Gruppen und Fanclubs auszutauschen. Beim Spiel gegen Augsburg werden wir angesichts der Situation bei unseren „Heimspielen“ keine Stimmung organisieren.

SCHICKERIA MÜNCHEN – IM HERZEN DER SÜDKURVE SEIT 2002

Lange Fassung der Erklärung auf der Homepage der Schickeria

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