Awareness für die Südkurve München

Wer wir sind & unsere Motivation

Wir, das Awareness-Team für die Südkurve, gehen regelmäßig ins Stadion und begleiten den FC Bayern zu Hause wie auswärts. Wir sind stolz darauf, Teil einer lebendigen und vielfältigen Kurve zu sein. Für uns ist die Kurve ein Wohlfühlort, an dem wir unseren Verein anfeuern, aber auch unsere Freund*innen treffen und wir selbst sein können. Ein Freiraum mit eigenen Regeln und gewachsenen, selbstverwalteten Strukturen, in dem man füreinander da ist und füreinander einsteht. 

Für uns ist es eine Ehre, Teil dieser Fanszene zu sein, auch weil sie, seit wir denken können, über den Tellerrand hinaus blickt und sich zum Ziel gesetzt hat, den Fußball im größeren Kontext zu sehen. 

Im Jahr 2021 wurden diese Strukturen von einer Person, in genau diesem für uns so wichtigen Raum, ausgenutzt und Grenzen überschritten. Das hat uns klar gemacht, dass unsere Fanszene, die wir als offenen Ort erleben, nicht außerhalb der Gesellschaft liegt und Probleme wie sexualisierte Gewalt und Diskriminierung auch bei uns existieren. 

Was passiert ist, kann wieder passieren und es ist wichtig, alles dafür zu tun, das zu vermeiden. 

Für uns und viele andere Fans endet Fußball nicht am Spieltag, sondern geht darüber hinaus. Daraus ergibt sich auch eine Verantwortung für uns alle, unseren Mikrokosmos so zu gestalten, dass jede*r sich wohlfühlt. Deswegen haben wir – Personen aus allen Teilen der Kurve – uns zusammengetan, um für alle Menschen in der Südkurve eine Anlaufstelle zu schaffen und noch besser füreinander da sein zu können.

Ziele

  • Schaffen einer Atmosphäre, in der jede*r sich wohlfühlt 
  • Unterstützung anbieten und Betroffene von sexualisierter Gewalt und Diskriminierung nicht alleine lassen
  • Moderation in Konfliktsituationen und Gesprächen 
  • In Frage stellen von Strukturen, die sexualisierte Gewalt und Diskriminierung begünstigen
  • Prävention und Information für alle Interessierten

Unsere Ziele beinhalten ausdrücklich nicht, irgendwen an den Pranger zu stellen, irgendetwas zu verbieten oder wegzunehmen. Wir sind keine Sittenpolizei, die in der Kurve oder bei Veranstaltungen Patrouille läuft, sondern werden nur aktiv, wenn sich Betroffene an uns wenden und Unterstützung wünschen. Wir sehen uns außerdem als ergänzendes Angebot zu den bereits bestehenden, gruppeninternen Strukturen.

Erreichbarkeit & Kontakt

Im Fanalltag
Das Awareness-Team ist ständig unter den E-Mail-Adressen hilfe_w@suedkurve-muenchen.org (wird von einer Frau betreut & gelesen) und hilfe_m@suedkurve-muenchen.org (wird von einem Mann betreut & gelesen) erreichbar. Hier kann auch anonym ein Kontakt hergestellt werden. 

Wichtig: die Unterscheidung in Geschlechter betrifft die Person, die deine E-Mail liest. Völlig unabhängig davon, welchem Geschlecht du dich zugehörig fühlst, kannst du dich an jede der beiden E-Mail-Adressen wenden! 

Bei Veranstaltungen
Nur während ausgewiesenen Veranstaltungen ist das Awareness-Team unter der Nummer +49 1767 902 55 11 erreichbar. Diese Nummer ist bei den jeweiligen Veranstaltungen auch in Form von Plakaten sichtbar. Wir empfehlen allen, die häufiger die Veranstaltungen der Südkurve München besuchen, diese Nummer zu speichern, um sie im Falle eines Falles parat zu haben und Hilfe rufen zu können. Neben Anrufen kann diese Nummer auch per WhatsApp, SMS und Signal kontaktiert werden.

Mitarbeit, Feedback & Fragen

Wer bei uns mitarbeiten möchte, ist immer herzlich willkommen! Egal ob du inhaltlich mitarbeiten willst, eine Ansprechpersonen-Schulung mitmachen möchtest, dich mit uns vernetzen oder einfach nur dein Feedback übermitteln willst – schreib uns! Auch wenn du unser Team gerne bei einer Veranstaltung dabei hättest oder du generelle Fragen hast, melde dich bei uns, am einfachsten unter awareness@suedkurve-muenchen.org.

Obacht!

Alles, was ihr gerade lest, bezieht sich auf unser Angebot für die Südkurve München, sei es im Fanszenenalltag oder bei Veranstaltungen, wie etwa Parties und Turnieren. Es handelt sich um ein internes Angebot von der Szene für die Szene. Da wir als ehrenamtliches Team keinesfalls für das ganze Stadion am Spieltag da sein können (und wollen, denn in erster Linie sind wir nun einmal Fußballfans), haben wir unseren Verein kontaktiert und angestoßen, dass auch in der Arena eine Anlaufstelle geschaffen werden sollte. Gemeinsam mit dem FC Bayern München und dem Fanprojekt München haben wir für die Spieltage und das Stadion das Awareness-Angebot “Obacht!” ins Leben gerufen, bei dem wir eine beratende, aber keine ausführende Rolle einnehmen. Es existiert unabhängig von unserem Fanszene-internen Angebot.

Weiterführende Infos

Sexualisierte Gewalt, Awareness – was ist das überhaupt?

Sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen

Gerade eine Kurve mit den dazugehörigen Freiräumen, einem vorhandenen Machtgefälle und einer großen Masse an Menschen, bei gleichzeitig großer Nähe bietet Möglichkeiten, unbemerkt übergriffig zu werden.

Zuerst möchten wir euch bewusst machen, dass sexuelle Übergriffe weit mehr umfassen als eine Vergewaltigung oder das Aufzwingen von körperlicher Nähe und sexuellen Handlungen. Schon anzügliche Blicke, sexistische Bemerkungen und Diskriminierungen, verbale Entgleisungen, Bedrängen oder unerwünschte Berührungen können für Betroffene belastend und traumatisierend sein. Alle Handlungen, zu denen kein Konsens besteht, sind deutliche Grenzverletzungen und dürfen nicht sein.

Awareness

“Awareness bedeutet, einen rücksichtsvollen, verantwortungsbewussten und solidarischen Umgang miteinander zu etablieren und zu pflegen. Sehr viele Menschen erleben auf Veranstaltungen unterschiedliche Formen von Diskriminierung oder sexualisierter Gewalt. Diskriminierung bedeutet Benachteiligung, Ungleichbehandlung oder Belästigung. Mit Awareness-Arbeit lernen wir gemeinsam, die Grenzen aller zu respektieren und Diskriminierung und Gewalt entgegenzutreten. Und wir lernen, wie wir Personen unterstützen, die entsprechende Erfahrungen machen (müssen).” – (frei nach der Definition der Initiative Awareness)

Awareness umfasst neben der Intervention, also dem Angebot, wenn schon etwas passiert ist, auch die Punkte Prävention und Haltung.

Intervention: Wir sind für Betroffene von Grenzüberschreitungen da und unterstützen diese im Rahmen unserer Möglichkeiten

Prävention: Wir informieren über sexualisierte Gewalt und versuchen, ein Bewusstsein zu schaffen, damit Grenzüberschreitungen perspektivisch vermieden werden.

Haltung: Wir haben eine klare Haltung und sprechen uns gegen Seximus, Diskriminierung und sexualisierte Gewalt aus. Wir sind für Betroffene da und stärken allen den Rücken, die ebenfalls für diese Werte einstehen.

Unser Angebot als Anlaufstelle für die Südkurve

Zielgruppe

Unser Konzept richtet sich an alle, die akut Hilfe oder Beistand benötigen.

Obwohl die meisten von uns in irgendeiner Form in Gruppen organisiert sind, ist es uns wichtig, dass wir für alle Menschen der Südkurve da sind. Das ist völlig unabhängig davon, wie lange oder wie oft diese in der Südkurve stehen, ob oder zu welcher Gruppe sie gehören oder ähnliches. Wir wollen ebenfalls deutlich machen, dass es bei uns nichts gibt, über das nicht gesprochen werden darf. Gesamtgesellschaftliche Probleme machen auch vor unserer Kurve nicht Halt. Dazu gehören auch psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Angststörungen und Süchte jeglicher Art oder auch Mobbing. Diese Aufgaben werden nicht von einem Awareness-Team alleine gelöst, hier ist jede*r gefragt. Awareness heißt auch, Verantwortung für andere zu übernehmen. Auch, wenn du dir Sorgen um andere machst, kannst du uns kontaktieren und wir stehen dir zur Seite!

Leitlinien



Verschwiegen und Anonym
Wer sich an uns wendet, kann sich darauf verlassen, dass alles in einem geschützten und vertraulichen Rahmen passiert, sei es über unsere E-Mail-Adressen oder vor Ort, z.B. bei einer Party. Ohne eure Zustimmung wird niemals etwas Gesagtes den Raum verlassen und niemand wird ohne eure Zustimmung einbezogen, das garantieren wir.

Betroffenenzentriert & Parteilich
Egal wie jung oder neu ihr in der Szene oder der Kurve seid und wie scheinbar einflussreich auch immer der oder die grenzüberschreitende Person sein mag, es gibt für übergriffiges Verhalten keine Begründung, keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung. Auch der Einfluss von Alkohol oder anderen Substanzen bei grenzüberschreitenden Personen oder Betroffenen ist keine Ausrede. Die Verantwortung für einen Übergriff liegt immer bei dem bzw. der Täter*in. Es spielt keine Rolle, was die betroffene Person gesagt, getan oder getragen hat. Und: Es ist wichtig und vollkommen richtig, darüber zu sprechen und sich anderen Personen anzuvertrauen.

Transparent
Wir helfen euch transparent. Es gibt keinen vorgezeichneten Weg oder etwas, das ihr tun müsst, wenn ihr euch an uns wendet, daher wird jeder Schritt im Vorfeld mit euch besprochen. Ihr habt immer die Entscheidungsgewalt! Das Awareness-Team hält Rücksprache mit euch, ob weitere Personen (z.B. Veranstalter*innen bei Parties) hinzugezogen werden und ob weitere Maßnahmen ergriffen werden und informiert euch auch im Zuge dessen über mögliche Auswirkungen. Zur Transparenz gehört auch, unsere eigenen Grenzen anzuerkennen. Wir sind keine Expert*innen, auch wenn wir teilweise beruflich in sozialen und therapeutischen Einrichtungen beschäftigt sind. Es geht auch gar nicht darum, euch therapeutische Hilfe anzubieten oder dass ihr mit uns alles im Detail besprechen müsst. Wir sind lediglich das offene Ohr, das auf ehrenamtlicher Basis für euch da ist und wenn nötig Hilfe von Expert*innen vermittelt oder die Moderationsrolle in einer Konfliktsituation übernehmen kann.

Safer Space
Wir werden – nach Möglichkeit – bei Veranstaltungen einen Rückzugsraum anbieten. Jede*r soll diesen Ort jederzeit nutzen können, auch wenn man “nur” kurz Ruhe und/oder ein offenes Ohr braucht. Dafür könnt ihr euch einfach über die genannten Wege bei uns melden.

Sanktionen
Unser Ziel ist, der betroffenen Person die Selbstkontrolle wiederzugeben und diese “aufzufangen”. Eine Bestrafung der Täter*innen ist nicht unser Fokus und wird wenn nur auf Wunsch der betroffenen Person und nach Rücksprache mit den Veranstaltenden (bzw. außerhalb von Veranstaltungen gegebenenfalls auch weiteren Ansprechpersonen in der Fanszene) stattfinden. Sollte die Notwendigkeit und der ausdrückliche Wunsch bestehen, können in Absprache Maßnahmen ergriffen werden, um die gewünschte sichere Atmosphäre wiederherzustellen. Das Awareness-Team handelt hierbei aber nicht selbst, sondern nur auf Wunsch und nach Rücksprache mit der betroffenen Person.

Haltung zeigen: Lasst uns das Awareness-Team abschaffen!

Neben einer Anlaufstelle für Betroffene möchten wir auch schon früher ansetzen und dafür sorgen, dass nicht erst (noch) etwas passieren muss, bevor sich etwas ändert. Unser übergeordnetes Ziel ist es, eine größere Sensibilisierung auch im Sinne der Werte unserer Kurve zu erreichen – jede*r soll sich als Teil der Südkurve wohlfühlen. Das funktioniert nur, wenn alle mitmachen und Verantwortung übernehmen. Denn Awareness bedeutet eben auch, ein Bewusstsein zu entwickeln, nicht wegzusehen und für die eigenen Überzeugungen und Werte einzustehen.

Wir möchten diese Haltung an alle, die sich als Teil der Südkurve sehen, weitergeben und in Zukunft auch weitere Informationsmöglichkeiten dazu anbieten.

Generelle Infos

Wer sich über Awareness im Fußball generell informieren möchte:

www.fussball-gegen-sexismus.de
www.f-in.org

Unsere Kooperationspartner*innen und weitere Anlaufstellen

Bundesweites Hilfetelefon – Beratung und Hilfe für Frauen
08000 116016
Am Telefon und via Online-Beratung unterstützen wir Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte beraten wir anonym und kostenfrei.
(0-24 Uhr, 7 Tage die Woche)


Frauennotruf München
089 763737
Beratungsstelle und Krisentelefon für Frauen* bei sexuellen Übergriffen und Gewalt. Montag bis Freitag von 10-13 Uhr und 15-21 Uhr
außer Mittwoch: 10-13 Uhr und 18-21 Uhr
Am Wochenende und an Feiertagen ist das Telefon nicht besetzt.

Münchner Informationszentrum für Männer
089 5439556
Mo-Mi 10:00 – 12:00; Di-Do 12:00 – 14:00 Uhr

KIBS
089 2317169120
Beratungsstelle für Jungen* und junge Männer* bei sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt Die Beratung ist kostenlos und erfolgt auf Wunsch anonym. Über Form und Inhalt entscheiden die Betroffenen selbst. Unser Team unterliegt der Schweigepflicht. Wir sind von Montag bis Freitag telefonisch erreichbar. Sollte der Anrufbeantworter an sein, rufen wir werktags innerhalb von 24 Stunden zurück.

Trans*Inter*Beratungstelle München
089 54333130
Das Beratungsangebot richtet sich an inter* und trans* Menschen, deren Angehörige und Freund_innen. Beratungen können auf Wunsch einmalig oder mehrmals stattfinden, sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht. Sie können beispielsweise zu uns kommen, wenn Sie Fragen zu inter* oder trans* Themen haben, psychosoziale Beratung wünschen, über eine Transition im Rahmen einer Partnerschaft, über die Inter*geschlechtlichkeit Ihres Kindes sprechen möchten oder sich in einer konkreten Krisensituation befinden.

LeTRa Lesbenberatung München
089 998295930
Unser Angebot richtet sich an alle cis, bisexuellen, trans*, inter, queeren Mädchen und Frauen jeden Alters, die lesbisch leben und an alle, die auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität sind.

Sub Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München
089 856346400
Engagiert für schwule, bisexuelle und queere Männer*und trans*Personen und die ganze LGBTIQ* Community. Das Sub bietet verschiedene Beratungen und Angebote an. Zudem gibt es ein offenes Café in München:
täglich: 19:00 bis 23:00 Uhr, am Freitag bis 24:00 Uhr
Samstag von 20:00 Uhr bis 01:00 Uhr
Jeden 1. und 3. Sonntag: 15:00 – 19:00 Uhr (Kaffee und Kuchen)

Strong Community
0800 00 112 03 (Bayerisches Beratungstelefon)
Du bist lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter* und/oder queer (LGBTIQ*), hast deshalb Gewalt oder Diskriminierung erfahren oder beobachtet und brauchst Unterstützung dabei, deine Erlebnisse zu verarbeiten und Wege zu finden damit umzugehen?
Mit unseren kostenlosen Unterstützungsangeboten helfen wir LGBTIQ* sowie Angehörigen, Freund*innen und Fachkräften in Bayern. Insbesondere mit der Expertise in den Bereichen Diskriminierung und Gewalt.