Aufarbeitung der Vorfälle am Gästeblock rund um die Partie Borussia Dortmund – FC Bayern

Nach einem ersten, direkt auf der Heimfahrt aus Dortmund verfassten Statement (https://suedkurve-muenchen.org/stellungnahme-vorkommnisse-in-dortmund/) sehen wir uns auch einige Tage nach dem Vorfall und nach vielen Gesprächen mit Augenzeugen und Betroffenen in unserer Sichtweise bekräftigt, dass der Einsatz der Polizei rund um unser Spiel in Dortmund verstörend gewalttätig und vollkommen jenseits jeglicher Verhältnismäßigkeit abgelaufen ist.

Wir halten eine detaillierte und sachliche, auf unserem Kenntnisstand basierende und damit naturgemäß subjektive, chronologische Betrachtung der Ereignisse für hilfreich für die weitere Einordnung.

Ausgangssituation Einlassbereich (ca. 16:15 Uhr):
Ausgangspunkt der Ereignisse war ohne Zweifel die Tatsache, dass sich Bayernfans, davon sicherlich auch einige aus unserem Umfeld, relativ bald nach Stadionöffnung ohne Eintrittskarte an den Drehkreuzen am Blockeingang ins Stadion drücken wollten. Basierend auf Berichten der Fanbetreuung, die bei der Einlasssituation zugegen war, reden wir an dieser Stelle von ca. 30 Personen an den Drehkreuzen, von denen sich ein Teil ohne Eintrittskarte Zugang verschaffen wollte. In dieser Situation kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem Ordner und Fans. Auch diese Handgreiflichkeiten müssen sich Fans ankreiden lassen. Wir möchten trotzdem an dieser Stelle festhalten, ohne damit irgendwas relativieren oder rechtfertigen zu wollen, dass nach unserem Kenntnisstand zuerst Faustschläge von dem Ordner gegen Fans ausgeteilt wurden.
Der gesamte Sachverhalt wird sicherlich strafrechtlich bewertet werden, wir wollen an dieser Stelle aber festhalten, dass wir an dieser Stelle von 10-15 involvierten Personen reden, die sich ohne Eintrittskarte Zugang zum Stadion verschaffen wollten.

Anschließend an diese Situation ist eine Einheit der Polizei vom Stadionvorplatz in den Einlassbereich eingerückt und hat einen Kessel mit 29 Fans gebildet, die sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden haben. Aufgrund des zeitlichen Abstandes kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei den 29 gänzlich oder zu großen Teilen um dieselben Personen aus der Ausgangssituation handelt. Diese Einschätzung wird dadurch unterstrichen, dass Polizeiführung, Fanbetreuung und Fanprojekte beider Vereine anschließend über das Vorgehen beraten und sich dafür entschieden haben, die gekesselten Fans nach einer Personalienfeststellung ins Stadion zu lassen. Dieses Vorgehen basiert darauf, dass den betroffenen Fans offensichtlich vor Ort der unrechtmäßige Stadionzutritt nicht nachgewiesen werden konnte, dies aber im Nachgang anhand der Videoaufnahmen im Eingangsbereich überprüft und ggf. im Einzelfall sanktioniert werden wird. Der Strafantrag von Borussia Dortmund gegen die betroffenen Fans im Polizeikessel war für dieses Vorgehen formale Voraussetzung, hat keine Aussagekraft über die tatsächliche Beteiligung der Betroffenen und wurde von der Polizei in ihrer Stellungnahme irreführenderweise als Begründung für die spätere Eskalation herangeführt.

Entgegen dem von der Polizei Dortmund verbreiteten Narrativ war die Situation auf Seiten der Fans anschließend ruhig. Die nächste Eskalation stellte ein Zugriff der eingesetzten BFE-Einheit außerhalb des Stadionbereichs an der Einlassschlange dar. Der betroffene Fan hat sich zum Zeitpunkt der ersten Eskalation an den Drehkreuzen außerhalb des Stadionbereichs und der Einlassschleuse weit weg vom Geschehen befunden. Ihm wird unserem Kenntnisstand nach Beamtenbeleidigung vorgeworfen. Die Verhältnismäßigkeit, angesichts dieses Vorwurfs gewaltsam in die anstehende Menschenmenge vorzurücken, darf hinterfragt werden, demaskiert allerdings bereits die auf Eskalation angelegte Einsatzstrategie.

Erste große Eskalation Umlauf (ca. 17:45 Uhr):

Fanseitig beruhigte sich die Situation erneut und die aktive Fanszene wartete im Umlauf mit Abstand zu den Polizeikräften auf die angekündigte Freilassung der gekesselten Fans. In dieser Zeit wurden immer weitere Polizisten im Umlauf zusammengezogen und haben sich über die gesamte Breite im Bereich des Stadionzauns gegenüber der an den Kiosken stehenden Fans aufgebaut, um ca. 45 Minuten vor Spielbeginn anlasslos, über die gesamte Breite, in Formation, unter Geschrei und Beleidigungen und mit durch Gesten und Rufe ausgedrückte Aufforderung zu Gewalt auf die Fans vorzurücken. Das zu einem Zeitpunkt, als sich die Fans gerade Richtung Block in Bewegung setzten und viele mit dem Rücken zu den Polizisten standen. Die erste Reihe der Polizei rückte dabei teils mit Schlagstöcken, teils mit zur Boxstellung erhobenen Fäusten und mit Tritten vorwärts, während aus der zweiten Reihe kurz vor dem Aufprall großflächig mit Pfefferspray auf die vor den Kiosken positionierten Fans gesprüht wurde.
Dieses derartige Vorrücken mit angeblich geplanten gezielten Festsetzungen zur Personalienfeststellungen von an der Ausgangssituation beteiligten Personen zu begründen, kann nicht anders als grotesk bezeichnet werden.

Aus diesem Angriff resultierte eine Festnahme. Des Weiteren waren im zweistelligen Bereich Verletzte mit Platzwunden, Gesichtsverletzungen, Brüchen und massiven Augenreizungen zu verbuchen.

Nach der Eskalation wurde von der Fanszene die Entscheidung getroffen, das Spiel nicht im Fanblock zu verbringen, sondern im Umlauf zu bleiben. Die Polizeikräfte zogen sich großteils in ihre Transporter außerhalb des Stadions zurück.

Während dem Spiel kam es trotzdem zu einer weiteren Festsetzung.

Zweiter großer Angriff im Umlauf (ca. 20:15 Uhr):
Der zweite große Angriff erfolgte nach dem 2:3-Siegtreffer kurz vor Spielende. Nachdem die Fans das Tor im Umlauf bejubelten, wurden Gesänge gegen die Polizei angestimmt, die in den Kontext der bisherigen Abläufe zu stellen sind. Diese Gesänge waren wiederum Anlass für eine, im mittleren Bereich der Hintertortribüne, seitlich von den Fans positionierte Einheit der Polizei, gegen die Fans unter Einsatz von Gewalt vorzurücken, was in einer erneuten Auseinandersetzung gipfelte. Dass weitere Einheiten direkt bereit standen und eingriffen, unterstreicht den orchestrierten Charakter der Eskalation.

Als weitere Unterstützung für diese Einheit wurden weitere Einheiten, die zwischenzeitlich auf dem Stadionvorplatz positioniert waren, über ein im mittleren Bereich der Hintertortribüne gelegenes Tor herangeführt. Auf dem Weg dorthin wurden außerhalb des Stadions einzelne Fans, die sich im Weg befanden, zu Boden gebracht, weiter mit Tritten und Schlägen bearbeitet und anschließend angezeigt. Es sind an dieser Stelle drei Anzeigen gegen Fans und zwei weitere verletzte Fans, unter anderem durch eingesetzte Polizeipferde zu verbuchen.

Anschließend an diese Situation und während die Auseinandersetzung im Umlauf am Laufen war, hat sich ein Teil der vor dem Stadion befindlichen Bayern-Anhänger angesichts der Angriffe auf ihre Freunde entschieden, das Tor von außen zu öffnen und zu den Fans im Umlauf zu stoßen. Dieses Szenario ist auf einem Video in den Sozialen Medien zu sehen und wird fälschlicherweise mit der Situation zu Stadionöffnung in Verbindung gebracht.

Zusammenfassend muss sicherlich das Verhalten einiger Fans in der Einlasssituation als ursächlich für die weitere Eskalation benannt werden. Gerade die beiden massiven Angriffe der Polizei auf die Fanszene im Stadionumlauf und der Grad der dabei an den Tag gelegten Gewalt, können damit weder gerechtfertigt noch begründet werden. Der Polizeieinsatz in seiner Gesamtheit lässt jeden Anspruch an Professionalität und Verhältnismäßigkeit staatlichen Handels vermissen. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass durch planmäßige Eskalation an verschiedenen Standorten die öffentliche Meinung dahingehend beeinflusst werden soll, im Rahmen der Innenministerkonferenz eine autoritäre Agenda in Bezug auf die organisierten Fanszenen zu verfolgen.

FREIHEIT FÜR DIE KURVE

Transparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vor rund zwei Wochen meldeten wir, die Fanszenen Deutschlands, uns bereits mit einer Stellungnahme bezüglich der in Hinterzimmern des DFB erarbeiteten neuen Stadionverbots-Richtlinie. Seitdem herrscht vor allem eins: Stille.

Zwar hat die DFL erstaunlich schnell – bereits am Freitag der Veröffentlichung unserer Stellungnahme – mit einem internen Schreiben an die Vereine reagiert. Die große Chance, nun endlich mit offenen Karten zu spielen, wurde jedoch abermals vertan.

Nun ist es für uns nichts Neues, dass wir Fans in Entscheidungen oder Prozesse der DFL nicht eingebunden werden. Dass allerdings selbst Vereine – teilweise gänzlich – außen vor gelassen werden, ist durchaus verwunderlich.

Das besagte Schreiben der DFL verbreitet dabei auch ganz bewusst Lügen. So ist beispielsweise die Rede davon, die Vereine „umfassend über mögliche Änderungen“ informiert zu haben. Tatsächlich sind allerdings kritische Vereinsvertreter mit irreführenden Falschaussagen aufs Glatteis geführt und kaltgestellt worden. Auch eine erwähnte Videokonferenz fand lediglich im Monologform statt, ohne die Chance auf Rückfragen.

Im Gegensatz zur DFL haben wir die vergangenen Tage genutzt und sind mit unseren Vereinen ins Gespräch gegangen. Die Erkenntnis daraus: Bis heute wissen die Vereine über die geplanten Veränderungen in der SV-Richtlinie nicht oder bestenfalls nur rudimentär Bescheid! Da passt es ins Bild, dass auch im Rahmen der Regionalkonferenzen in der Woche vom 16. bis 20. Februar 2026 in Frankfurt Informationen zur Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien Fehlanzeige blieben.

Nun ist es natürlich schwierig, über Sachen zu urteilen, deren Inhalt man nicht kennt. Die DFL spricht gerne von „Transparenz“ – doch versagt dann gleich im ersten Schritt, diese zu schaffen.

Als transparenzliebende Fans sehen wir uns somit in der Pflicht, nun unsererseits mit einer Transparenzoffensive Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wir wissen ganz genau Bescheid, welche Maßnahmen geplant sind.

Daher möchten wir im Folgenden Paragraphen aus dem Entwurfspapier der DFL zitieren:
2 (3) beschreibt die Errichtung einer Stelle, welche dazu ermächtigt und verpflichtet wird, entsprechende Entscheidungen im Zusammenhang mit Stadionverboten zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen. Tätig werden soll diese sogenannte „Fachaufsicht“ selbstständig, auf Antrag einer lokalen SV-Kommission oder auf Antrag der Polizei oder anderer Strafverfolgungsbehörden.
Die zentrale Fachaufsicht ist gemäß des Abschnitts b) weisungsbefugt gegenüber den lokalen Stadionverbots-Kommissionen. Bei Nicht-Einhaltung einer Weisung kann die Fachaufsicht die entsprechenden Maßnahmen treffen.

Es lässt sich also festhalten: Sollte dieser Paragraph so umgesetzt werden, werden die lokalen Stadionverbots-Kommissionen de facto zum Papiertiger. Spätestens wenn der Polizei die Möglichkeit gegeben wird, per Antrag die Fachaufsicht einzuschalten, verlieren die lokalen Kommissionen ihre Bedeutung!
5 (vormals §4) (3) legt fest, dass ein Stadionverbot auszusprechen ist, wenn die Stadionverbotskommission (lokal oder zentral) Kenntnis von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Strafverfolgungsbehörden erlangt. Zwar ist die Rede von der „Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls“, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass hiermit die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip ermöglicht wird. Denn bei Nicht-Erteilung eines Stadionverbots, etwa weil die lokale Stadionverbots-Kommission den Fortgang des Ermittlungsverfahrens oder den Ausgang des etwaigen, folgenden Gerichtsverfahrens abwarten möchte, kann die Polizei die Fachaufsicht anrufen und diese zieht dann die Aussprache der Stadionverbote an sich. Dass Ermittlungsverfahren eingestellt werden oder in Freisprüchen enden können, interessiert Verbände, Politik und Polizei bei der „Präventivmaßnahme“ Stadionverbot nicht.

5 (vormals §4) (4) besagt zudem, dass Stadionverbote sogar ausgesprochen werden können, ohne dass ein Ermittlungs- oder sonstiges Verfahren eingeleitet wurde. Hierfür sollen künftig Ingewahrsamnahmen oder Aufenthaltsverbote ausreichen. Im Kontext der vergangenen Wochen, in denen vermehrt Fanszenen aus fadenscheinigen Gründen an ihrer Auswärtsreise gehindert wurden, würde dieser Paragraph das Tor für den Ausschluss großer Fangruppen öffnen. Und eins ist sicher: Sobald der Polizei dieser Hebel in die Hand gelegt wird, wird sie ihn auch nutzen!
Dies sind nur kurze Auszüge aus dem insgesamt 9 Seiten langen Dokument. Wir möchten diese aber mit unserer Stellungnahme öffentlich machen, um aufzuzeigen, was sich hinter verschlossenen Türen zusammenbraut. In Kraft treten sollen diese Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026, was einen ambitionierten Zeitplan bei zugleich herrschender Intransparenz bedeutet.

Da wir den Glauben an eine diskussionsorientierte Lösung bei DFL, DFB und Politik schon längst verloren haben, nehmen wir daher unsere Vereine in die Pflicht, sich diesen geplanten Maßnahmen entschieden und mit allen Mitteln entgegenzustellen!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2026

Stellungnahme Vorkommnisse in Dortmund

Beim gestrigen Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund kam es zu schweren gewalttätigen Übergriffen der eingesetzten Polizeieinheit gegen Fans des FC Bayern.

Mit Befremden hatten wir bereits in den letzten Wochen verfolgen müssen, wie die Dortmunder Polizei mehrfach versuchte, durch gezielte Provokationen und nicht nachvollziehbare Festnahmen eine Eskalation mit der heimischen Fanszene zu provozieren. Wir verweisen hierzu auf die Dokumentation der Fanhilfe Dortmund.

Gestern mussten die Fans des FC Bayern München die neue Dortmunder Linie am eigenen Leib erfahren.

Nachdem es bei der Eintrittskartenkontrolle zu Drängeleien und einem einzelnen Handgemenge mit einem Ordner gekommen war, ging die Polizei unmittelbar und willkürlich gegen umstehende Fans vor. Nachdem sich diese Situation beruhigt hatte, eskalierte die Polizei die Situation mehrfach erneut. Unter dem Vorwand, weitere Personalien feststellen zu wollen, ging die Polizei im Anschluss zum wiederholten Male unnötigerweise auf breiter Front gegen im Umlauf wartende, unbeteiligte Fans vor und setzte dabei willkürlich Schlagstöcke und Reizgas ein. Dabei verletzten sie dutzende Fans, wobei neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden mussten.

Der Polizei wären hierzu wesentlich ungefährlichere Maßnahmen wie Videoüberwachung, die zahlreich eingesetzten szenekundigen Beamten oder auch weniger konfrontative Ansprache zur Verfügung gestanden.
Verletzungen wurden hier also ohne Not bewusst in Kauf genommen.

Nachdem sich die Situation während des Spiels komplett beruhigt hatte, folgte kurz vor Abpfiff eine komplette Gewalteskalation der Polizei, die zu weiteren Verletzten und notwendigen Aufenthalten im Krankenhaus führte.

Besonders verstörend: Der Großteil der eingesetzten Beamten ließ auch deutlich optisch wie verbal ihren Gefallen an dem Angriff auf die Fans erkennen.

In Quantität wie Intensität übertraf das Maß an Polizeigewalt in Dortmund vergleichbare Übergriffe, die wir in Madrid oder Athen erleben mussten. Der gestrige Tag reiht sich damit nahtlos in eine Reihe unverhältnismäßiger polizeilicher Übergriffe gegen Fanszenen im gesamten Bundesgebiet ein.

Südkurve München

GEGEN KOLLEKTIVSTRAFEN – FÜR EINE LEBENDIGE FANKULTUR

„Wir sind immer hier, die Kurve das sind wir…“ erschallt es kurz vor Anpfiff des heutigen Spiels aus dem Oberrang, in dem auch das dazu passende Spruchband hängt.

Für uns ist dieser Gesang nicht nur eine Floskel, denn wo auch immer der FC Bayern München spielt, sind wir Fans aus der Südkurve anwesend. Selbst bei einer Kollektivstrafe, wie dem Teilausschluss am heutigen Heimspiel, sind wir lautstark und zahlreich im Stadion vertreten.
Wir haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen und die Strafenpolitik des Verbands und unseres Vereins jederzeit ad absurdum geführt werden kann.

Die UEFA hat fast 4.800 Plätze im Unterrang der Südkurve für das heutige Heimspiel geschlossen. Der FC Bayern München hat diese bereits unverhältnismäßige Strafe aus freien Stücken verdoppelt, wodurch alle 9.336 Plätze im Unterrang gesperrt wurden. Ein solches Vorgehen ist ein beispielloser Präzedenzfall, der nicht unwidersprochen bleiben darf.

Kollektivstrafen sind nicht mit dem Rechtsgedanken einer freiheitlichen Gesellschaft vereinbar, auch im Teilbereich des Sports. Sie spielen die Betroffenen gegeneinander aus und nehmen Unbeteiligte in Sippenhaft.

Wir fordern alle Vereine und insbesondere den FC Bayern dazu auf, sich für seine Fans und Mitglieder einzusetzen und das unverhältnismäßige Rechtsverständnis der UEFA kritisch zu hinterfragen.

Wir werden Kollektivstrafen niemals akzeptieren, denn „wir sind immer hier!“

ZUSCHAUER-TEILAUSSCHLUSS GEGEN SAINT-GILLOISE ALS KOLLEKTIVSTRAFE

UEFA SPERRT FAST 4.200 PLÄTZE IM UNTERRANG DER SÜDKURVE

Wieder einmal müssen wir uns mit Kollektivstrafen seitens eines Verbandes beschäftigen, dieses Mal mit drastischeren Auswirkungen als bisher. Hierzu stellen wir eine kleine Botschaft vorab: Wir wissen, dass dieses Thema aktuell für viele Fans ein hoch emotionales Thema ist und es vollkommen legitimerweise unterschiedlichste Sichtweisen darauf gibt. Wir stehen für unsere Positionen ein und sind immer offen für konstruktiven und respektvollen Austausch und appellieren an alle, gegensätzliche Meinungen zu akzeptieren.

Wir als Gruppen der Südkurve München lehnen Kollektivstrafen ab. Aus unserer Sicht sind sie weder legitim noch geeignet, Verhalten zu erzwingen, egal von welchem Verband oder welcher Institution auch immer. Entsprechend ist es für uns nur konsequent, uns einem solchem Regime nicht zu beugen.

Die Bilder der Pyroshow in der Südkurve beim Heimspiel gegen Sporting Lissabon sind um die Fußballwelt gegangen und haben im Stadion und im Nachgang viel Applaus bekommen. Für uns und viele andere ist Pyrotechnik ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft.

Die Aktion hatte diesmal primär den Zweck, uns nicht der von der UEFA gegen den FC Bayern verhängten Bewährungsstrafe zu beugen, auch wenn dafür Konsequenzen drohen. Wir wussten und wissen, dass diese Konsequenzen viele Bayernfans treffen, die keine Verantwortung für unsere Aktion tragen und vielleicht sogar eine andere Meinung dazu haben. Gerade das ist ja auch das Perfide an diesem Werkzeug, das zurecht in demokratischen Rechtssystemen keinen Platz hat, aber leider in der Sportgerichtsbarkeit der UEFA inflationär Anwendung findet. Leider hat dieser Verband auch eine Struktur, die unserem Anliegen keine andere Stimme gibt als eben durch Aktionen im Stadion.

In den nationalen Wettbewerben finden Kollektivstrafen nach langen Diskussionen und Kämpfen der Fans aktuell keine Anwendung. Wir haben in Deutschland aktuell eine Fankultur und eine Stadionatmosphäre, um die uns viele in anderen europäischen Ländern beneiden und die die Attraktivität des Fußballs bei uns entscheidend ausmacht. Jeder Fan, der unsere Mannschaft in Europa begleitet, weiß, wie Fans dort behandelt werden.

Wir hoffen auf die Funktionäre der deutschen Europapokalteilnehmer, sich für eine lebendige Fankultur und gegen Sippenhaft und Kollektivstrafen einzusetzen, auch wenn wir wissen, dass unsere Aktion Euch viele Probleme schafft. Ihr habt dort eine Stimme, wir nicht.

Wir hoffen auf das Verständnis von Euch, den Fans, die wie wir jetzt bei dem Spiel gegen Union Saint-Gilloise aus unserer gemeinsamen Kurve ausgesperrt sind. Egal wie Ihr Pyrotechnik im Stadion seht, wir dürfen uns nicht durch Kollektivstrafen auseinanderbringen lassen. Heute trifft sie uns wegen Pyrotechnik, morgen wegen kritischen Spruchbändern. Zusammen haben wir viel erreicht. Unser Zusammenhalt ermöglicht die Atmosphäre bei unseren Spielen, die Choreografien, die sozialen Aktionen oder Feiern – und eben auch eine starke Stimme für die Rechte von uns Fans.

GEGEN KOLLEKTIVSTRAFEN – FÜR EINE LEBENDIGE FANKULTUR