3 Monate nach der IMK ist 3 Monate vor der IMK – ein Halbzeitfazit

In der Länderspielpause kamen am 28. März 2026, Vertreter von über 50 Fanszenen aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin zusammen, um sich unter anderem über den Eskalationskurs der Innenministerkonferenz und der Sportministerkonferenz zu beraten. Auch Fanszenen, die aufgrund des Spielbetriebs unterhalb der dritten Liga nicht dabei waren, stehen inhaltlich hinter dieser Stellungnahme.

Die letzte IMK im Dezember 2025 hat durch ihren Populismus und ihre Repressionsideen für deutsche Stadien für Aufruhr gesorgt – ihr erinnert euch! Die nächste IMK ist bereits für Juni 2026 angesetzt. Eine gute Gelegenheit also, auf den aktuellen Stand zu blicken, denn: Die aktuelle Entwicklung in deutschen Stadien ist alarmierend! Immer öfter werden Stadionbesucher zu Opfern unverhältnismäßiger Polizeigewalt.

Dies zeigt sich eindeutig seit einigen Jahren und ganz speziell eindrücklich seit Beginn des Jahres 2026. Bei den Spielen Borussia Dortmund gegen FC Bayern München, Hertha BSC gegen FC Schalke 04 und Vfl Wolfsburg gegen Werder Bremen kam es zu zahlreichen zum Teil schwer verletzten Fans. Deutlich wird dies aber auch durch diverse Fanszenen, die mit fadenscheinigen Begründungen auf der Anreise zu ihren Auswärtsspielen zurückgeschickt und hiermit massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden. Aktuell vergeht kaum ein Wochenende ohne einen solchen Skandal. Den Tiefpunkt dieser Entwicklung stellt die hundertfach verhinderte Ausreise von Anhängern von Borussia Dortmund zum Champions League-Spiel bei Atalanta Bergamo durch die Bundespolizei dar. Die zugunsten der Fans entschiedenen Eilverfahren zeigen wiederholt sehr deutlich, dass die Polizei sich im Umgang mit Fußballfans nicht an Recht und Gesetz gebunden sieht!

Böse Zungen behaupten, dass diese jüngste Gewalteskalation seitens der Polizei kein Zufall sein kann. Auch wir sehen sie als systematischen Teil einer arglistigen Strategie der Hardliner aus Innen- und Polizeibehörden mit Blick auf die kommende IMK sowie im Zuge der derzeit stattfindenden Geheimverhandlungen zur Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien. Das Kalkül dahinter scheint so perfide wie offensichtlich: Möglichst schockierende Bilder und Schlagzeilen sollen das politik- und polizeieigene Narrativ, die Stadien seien nicht sicher, Woche für Woche unterfüttern. In dem Wissen, dass die seit Jahren rückläufigen polizeieigenen Zahlen keinerlei Verschärfung rechtfertigen (woran die IMK im letzten Jahr immer wieder erinnert werden musste), werden die eigenen ohnehin fragwürdigen Statistiken der ZIS nun künstlich in die Höhe getrieben.

Das Ziel der Protagonisten in den Innenbehörden scheint klar: Die Verbände DFB und DFL sollen in den Verhandlungen unter maximalen Druck gesetzt werden, zuletzt geschehen mit der erstmals öffentlich geäußerten Drohung der Weitergabe der Polizeikosten durch Herbert Reul und Armin Schuster, wenn die Forderungen der Politik nicht erfüllt werden. Dass aufgrund dieser rücksichtslosen Strategie eine Vielzahl von Fußballfans fernab jeder Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit mutwillig und zum Teil schwer verletzt wird, nehmen Polizei und Politik billigend in Kauf. Der Dachverband der Fanhilfen hat in seiner Stellungnahme vom 18. März 2026 die deutliche Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in der laufenden Saison 2025/2026 dokumentiert. Die Anzahl gewalttätiger Eskalationen durch die Polizei überstieg schon im März die Gesamtzahl vorangegangener Spielzeiten.

Doch auch abseits dieser beobachtbaren polizeilichen Eskalation muss davon ausgegangen werden, dass die Politik den Verbänden druckvoll im Nacken sitzt. Das wird sichtbar, da DFL, DFB und Innenpolitik trotz vollmundiger Transparenzversprechen in der Öffentlichkeit nunmehr seit weiteren vier Monaten in Hinterzimmergesprächen an Verschärfungen der Stadionverbots-Richtlinien schrauben und dabei jegliche Faninteressen und Expertenmeinungen unberücksichtigt lassen.

Im Halbzeitfazit müssen wir daher leider feststellen, dass Politik, Polizei und scheinbar auch die Verbände aus dem letzten Jahr nichts gelernt haben und denken, sie können die gleiche Suppe nochmal kochen – und das noch schärfer gewürzt! Scheinbar müssen wir also wieder laut werden, um für Gerechtigkeit einzutreten, ihren Populismus zu entlarven und ihre perfiden Strategien zu kritisieren!
Daher fordern wir:

1) Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien stoppen!
Unter dem Deckmantel einer einheitlichen Vergabe von Stadionverboten soll eine „Fachaufsicht“ bzw. „Zentrale Stadionverbotskommission“ eingeführt werden, welche den lokalen Strukturen gegenüber weisungsbefugt ist. Diese Fachaufsicht soll auch als Beschwerdestelle für die Polizei fungieren, sollte diese mit den Entscheidungen auf lokaler Ebene unzufrieden sein.
Damit gibt man den Polizeibehörden ein weiteres mächtiges Repressionswerkzeug an die Hand – jenen Polizeibehörden, die nicht davor zurückschrecken, Fußballfans schwer zu verletzen, nur um die eigene Agenda durchzudrücken. Wir sagen: Der Repressionswahnsinn gepaart mit der starken Zunahme willkürlicher und gewalttätiger Polizeieinsätze in deutschen Stadien zeigt, dass die Stadionverbots-Richtlinien nicht verschärft werden dürfen, denn die bewusste Eskalationsstrategie der Innenministerkonferenz darf nicht belohnt werden!

2) Verbände: Transparenz und Faninteressen jetzt!
DFB und DFL dürfen ihre Entscheidungen nicht länger im Geheimen treffen. Wir fordern endlich eine offene und transparente Diskussion unter Wahrung der bestehenden Faninteressen. Ein Stopp der derzeitigen Geheimverhandlungen und eine Neuaufnahme eines Dialogs, welcher seinen Namen auch wirklich verdient, führt nicht nur zu mehr Akzeptanz, sondern bietet den Funktionären von DFB und DFL auch eine Chance, sich diesem massiven Druck seitens der Innenministerien zu widersetzen. Wir erwarten, dass DFB und DFL von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

3) Unabhängige Ermittlungsstellen!
Vereine und Verbände müssen den Aufbau unabhängiger Ermittlungsstellen nach dänischem Vorbild für die Aufklärung von übermäßiger Polizeigewalt öffentlich unterstützen – zum Schutz hunderttausender Fans, die Woche für Woche deutsche Fußballstadien besuchen. Die bundesweite Eskalationsstrategie der Polizei hat beispielsweise im Olympiastadion und im Westfalenstadion bewiesen: Polizeigewalt kann jeden Stadiongänger treffen.

4) Innenpolitik: Sachargumente statt Populismus!
Abgesehen von eskalierenden Polizeieinheiten ist der Fußball sicher. Es ist Zeit, sich endlich damit abzufinden! Es gibt keine Datengrundlage für den Kurs der Innenministerien, weshalb die Polizei nun bundesweit angehalten scheint, die Verletztenzahlen der ZIS-Statistik – aus Sicht der Innenminister „endlich“ – wieder nach oben zu treiben. Jeglicher Realität entbehrende Zerrbilder, etwa dass jedes Wochenende Spiele wegen Pyrotechnik unterbrochen und Menschen hierdurch verletzt würden, haben einer Versachlichung der Debatte zu weichen. Wir sind es leid, für populistische Forderungen herzuhalten, das Testobjekt für neue Repressionsmaßnahmen zu sein und uns unsere Fankultur und ihre Stilmittel von Innenministern und Polizeigewerkschaftern „erklären“ zu lassen.

Fanszenen Deutschlands – April 2026

Aufarbeitung der Vorfälle am Gästeblock rund um die Partie Borussia Dortmund – FC Bayern

Nach einem ersten, direkt auf der Heimfahrt aus Dortmund verfassten Statement (https://suedkurve-muenchen.org/stellungnahme-vorkommnisse-in-dortmund/) sehen wir uns auch einige Tage nach dem Vorfall und nach vielen Gesprächen mit Augenzeugen und Betroffenen in unserer Sichtweise bekräftigt, dass der Einsatz der Polizei rund um unser Spiel in Dortmund verstörend gewalttätig und vollkommen jenseits jeglicher Verhältnismäßigkeit abgelaufen ist.

Wir halten eine detaillierte und sachliche, auf unserem Kenntnisstand basierende und damit naturgemäß subjektive, chronologische Betrachtung der Ereignisse für hilfreich für die weitere Einordnung.

Ausgangssituation Einlassbereich (ca. 16:15 Uhr):
Ausgangspunkt der Ereignisse war ohne Zweifel die Tatsache, dass sich Bayernfans, davon sicherlich auch einige aus unserem Umfeld, relativ bald nach Stadionöffnung ohne Eintrittskarte an den Drehkreuzen am Blockeingang ins Stadion drücken wollten. Basierend auf Berichten der Fanbetreuung, die bei der Einlasssituation zugegen war, reden wir an dieser Stelle von ca. 30 Personen an den Drehkreuzen, von denen sich ein Teil ohne Eintrittskarte Zugang verschaffen wollte. In dieser Situation kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem Ordner und Fans. Auch diese Handgreiflichkeiten müssen sich Fans ankreiden lassen. Wir möchten trotzdem an dieser Stelle festhalten, ohne damit irgendwas relativieren oder rechtfertigen zu wollen, dass nach unserem Kenntnisstand zuerst Faustschläge von dem Ordner gegen Fans ausgeteilt wurden.
Der gesamte Sachverhalt wird sicherlich strafrechtlich bewertet werden, wir wollen an dieser Stelle aber festhalten, dass wir an dieser Stelle von 10-15 involvierten Personen reden, die sich ohne Eintrittskarte Zugang zum Stadion verschaffen wollten.

Anschließend an diese Situation ist eine Einheit der Polizei vom Stadionvorplatz in den Einlassbereich eingerückt und hat einen Kessel mit 29 Fans gebildet, die sich zu diesem Zeitpunkt dort befunden haben. Aufgrund des zeitlichen Abstandes kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich bei den 29 gänzlich oder zu großen Teilen um dieselben Personen aus der Ausgangssituation handelt. Diese Einschätzung wird dadurch unterstrichen, dass Polizeiführung, Fanbetreuung und Fanprojekte beider Vereine anschließend über das Vorgehen beraten und sich dafür entschieden haben, die gekesselten Fans nach einer Personalienfeststellung ins Stadion zu lassen. Dieses Vorgehen basiert darauf, dass den betroffenen Fans offensichtlich vor Ort der unrechtmäßige Stadionzutritt nicht nachgewiesen werden konnte, dies aber im Nachgang anhand der Videoaufnahmen im Eingangsbereich überprüft und ggf. im Einzelfall sanktioniert werden wird. Der Strafantrag von Borussia Dortmund gegen die betroffenen Fans im Polizeikessel war für dieses Vorgehen formale Voraussetzung, hat keine Aussagekraft über die tatsächliche Beteiligung der Betroffenen und wurde von der Polizei in ihrer Stellungnahme irreführenderweise als Begründung für die spätere Eskalation herangeführt.

Entgegen dem von der Polizei Dortmund verbreiteten Narrativ war die Situation auf Seiten der Fans anschließend ruhig. Die nächste Eskalation stellte ein Zugriff der eingesetzten BFE-Einheit außerhalb des Stadionbereichs an der Einlassschlange dar. Der betroffene Fan hat sich zum Zeitpunkt der ersten Eskalation an den Drehkreuzen außerhalb des Stadionbereichs und der Einlassschleuse weit weg vom Geschehen befunden. Ihm wird unserem Kenntnisstand nach Beamtenbeleidigung vorgeworfen. Die Verhältnismäßigkeit, angesichts dieses Vorwurfs gewaltsam in die anstehende Menschenmenge vorzurücken, darf hinterfragt werden, demaskiert allerdings bereits die auf Eskalation angelegte Einsatzstrategie.

Erste große Eskalation Umlauf (ca. 17:45 Uhr):

Fanseitig beruhigte sich die Situation erneut und die aktive Fanszene wartete im Umlauf mit Abstand zu den Polizeikräften auf die angekündigte Freilassung der gekesselten Fans. In dieser Zeit wurden immer weitere Polizisten im Umlauf zusammengezogen und haben sich über die gesamte Breite im Bereich des Stadionzauns gegenüber der an den Kiosken stehenden Fans aufgebaut, um ca. 45 Minuten vor Spielbeginn anlasslos, über die gesamte Breite, in Formation, unter Geschrei und Beleidigungen und mit durch Gesten und Rufe ausgedrückte Aufforderung zu Gewalt auf die Fans vorzurücken. Das zu einem Zeitpunkt, als sich die Fans gerade Richtung Block in Bewegung setzten und viele mit dem Rücken zu den Polizisten standen. Die erste Reihe der Polizei rückte dabei teils mit Schlagstöcken, teils mit zur Boxstellung erhobenen Fäusten und mit Tritten vorwärts, während aus der zweiten Reihe kurz vor dem Aufprall großflächig mit Pfefferspray auf die vor den Kiosken positionierten Fans gesprüht wurde.
Dieses derartige Vorrücken mit angeblich geplanten gezielten Festsetzungen zur Personalienfeststellungen von an der Ausgangssituation beteiligten Personen zu begründen, kann nicht anders als grotesk bezeichnet werden.

Aus diesem Angriff resultierte eine Festnahme. Des Weiteren waren im zweistelligen Bereich Verletzte mit Platzwunden, Gesichtsverletzungen, Brüchen und massiven Augenreizungen zu verbuchen.

Nach der Eskalation wurde von der Fanszene die Entscheidung getroffen, das Spiel nicht im Fanblock zu verbringen, sondern im Umlauf zu bleiben. Die Polizeikräfte zogen sich großteils in ihre Transporter außerhalb des Stadions zurück.

Während dem Spiel kam es trotzdem zu einer weiteren Festsetzung.

Zweiter großer Angriff im Umlauf (ca. 20:15 Uhr):
Der zweite große Angriff erfolgte nach dem 2:3-Siegtreffer kurz vor Spielende. Nachdem die Fans das Tor im Umlauf bejubelten, wurden Gesänge gegen die Polizei angestimmt, die in den Kontext der bisherigen Abläufe zu stellen sind. Diese Gesänge waren wiederum Anlass für eine, im mittleren Bereich der Hintertortribüne, seitlich von den Fans positionierte Einheit der Polizei, gegen die Fans unter Einsatz von Gewalt vorzurücken, was in einer erneuten Auseinandersetzung gipfelte. Dass weitere Einheiten direkt bereit standen und eingriffen, unterstreicht den orchestrierten Charakter der Eskalation.

Als weitere Unterstützung für diese Einheit wurden weitere Einheiten, die zwischenzeitlich auf dem Stadionvorplatz positioniert waren, über ein im mittleren Bereich der Hintertortribüne gelegenes Tor herangeführt. Auf dem Weg dorthin wurden außerhalb des Stadions einzelne Fans, die sich im Weg befanden, zu Boden gebracht, weiter mit Tritten und Schlägen bearbeitet und anschließend angezeigt. Es sind an dieser Stelle drei Anzeigen gegen Fans und zwei weitere verletzte Fans, unter anderem durch eingesetzte Polizeipferde zu verbuchen.

Anschließend an diese Situation und während die Auseinandersetzung im Umlauf am Laufen war, hat sich ein Teil der vor dem Stadion befindlichen Bayern-Anhänger angesichts der Angriffe auf ihre Freunde entschieden, das Tor von außen zu öffnen und zu den Fans im Umlauf zu stoßen. Dieses Szenario ist auf einem Video in den Sozialen Medien zu sehen und wird fälschlicherweise mit der Situation zu Stadionöffnung in Verbindung gebracht.

Zusammenfassend muss sicherlich das Verhalten einiger Fans in der Einlasssituation als ursächlich für die weitere Eskalation benannt werden. Gerade die beiden massiven Angriffe der Polizei auf die Fanszene im Stadionumlauf und der Grad der dabei an den Tag gelegten Gewalt, können damit weder gerechtfertigt noch begründet werden. Der Polizeieinsatz in seiner Gesamtheit lässt jeden Anspruch an Professionalität und Verhältnismäßigkeit staatlichen Handels vermissen. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass durch planmäßige Eskalation an verschiedenen Standorten die öffentliche Meinung dahingehend beeinflusst werden soll, im Rahmen der Innenministerkonferenz eine autoritäre Agenda in Bezug auf die organisierten Fanszenen zu verfolgen.

FREIHEIT FÜR DIE KURVE

Transparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vor rund zwei Wochen meldeten wir, die Fanszenen Deutschlands, uns bereits mit einer Stellungnahme bezüglich der in Hinterzimmern des DFB erarbeiteten neuen Stadionverbots-Richtlinie. Seitdem herrscht vor allem eins: Stille.

Zwar hat die DFL erstaunlich schnell – bereits am Freitag der Veröffentlichung unserer Stellungnahme – mit einem internen Schreiben an die Vereine reagiert. Die große Chance, nun endlich mit offenen Karten zu spielen, wurde jedoch abermals vertan.

Nun ist es für uns nichts Neues, dass wir Fans in Entscheidungen oder Prozesse der DFL nicht eingebunden werden. Dass allerdings selbst Vereine – teilweise gänzlich – außen vor gelassen werden, ist durchaus verwunderlich.

Das besagte Schreiben der DFL verbreitet dabei auch ganz bewusst Lügen. So ist beispielsweise die Rede davon, die Vereine „umfassend über mögliche Änderungen“ informiert zu haben. Tatsächlich sind allerdings kritische Vereinsvertreter mit irreführenden Falschaussagen aufs Glatteis geführt und kaltgestellt worden. Auch eine erwähnte Videokonferenz fand lediglich im Monologform statt, ohne die Chance auf Rückfragen.

Im Gegensatz zur DFL haben wir die vergangenen Tage genutzt und sind mit unseren Vereinen ins Gespräch gegangen. Die Erkenntnis daraus: Bis heute wissen die Vereine über die geplanten Veränderungen in der SV-Richtlinie nicht oder bestenfalls nur rudimentär Bescheid! Da passt es ins Bild, dass auch im Rahmen der Regionalkonferenzen in der Woche vom 16. bis 20. Februar 2026 in Frankfurt Informationen zur Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien Fehlanzeige blieben.

Nun ist es natürlich schwierig, über Sachen zu urteilen, deren Inhalt man nicht kennt. Die DFL spricht gerne von „Transparenz“ – doch versagt dann gleich im ersten Schritt, diese zu schaffen.

Als transparenzliebende Fans sehen wir uns somit in der Pflicht, nun unsererseits mit einer Transparenzoffensive Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wir wissen ganz genau Bescheid, welche Maßnahmen geplant sind.

Daher möchten wir im Folgenden Paragraphen aus dem Entwurfspapier der DFL zitieren:
2 (3) beschreibt die Errichtung einer Stelle, welche dazu ermächtigt und verpflichtet wird, entsprechende Entscheidungen im Zusammenhang mit Stadionverboten zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen. Tätig werden soll diese sogenannte „Fachaufsicht“ selbstständig, auf Antrag einer lokalen SV-Kommission oder auf Antrag der Polizei oder anderer Strafverfolgungsbehörden.
Die zentrale Fachaufsicht ist gemäß des Abschnitts b) weisungsbefugt gegenüber den lokalen Stadionverbots-Kommissionen. Bei Nicht-Einhaltung einer Weisung kann die Fachaufsicht die entsprechenden Maßnahmen treffen.

Es lässt sich also festhalten: Sollte dieser Paragraph so umgesetzt werden, werden die lokalen Stadionverbots-Kommissionen de facto zum Papiertiger. Spätestens wenn der Polizei die Möglichkeit gegeben wird, per Antrag die Fachaufsicht einzuschalten, verlieren die lokalen Kommissionen ihre Bedeutung!
5 (vormals §4) (3) legt fest, dass ein Stadionverbot auszusprechen ist, wenn die Stadionverbotskommission (lokal oder zentral) Kenntnis von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Strafverfolgungsbehörden erlangt. Zwar ist die Rede von der „Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls“, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass hiermit die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip ermöglicht wird. Denn bei Nicht-Erteilung eines Stadionverbots, etwa weil die lokale Stadionverbots-Kommission den Fortgang des Ermittlungsverfahrens oder den Ausgang des etwaigen, folgenden Gerichtsverfahrens abwarten möchte, kann die Polizei die Fachaufsicht anrufen und diese zieht dann die Aussprache der Stadionverbote an sich. Dass Ermittlungsverfahren eingestellt werden oder in Freisprüchen enden können, interessiert Verbände, Politik und Polizei bei der „Präventivmaßnahme“ Stadionverbot nicht.

5 (vormals §4) (4) besagt zudem, dass Stadionverbote sogar ausgesprochen werden können, ohne dass ein Ermittlungs- oder sonstiges Verfahren eingeleitet wurde. Hierfür sollen künftig Ingewahrsamnahmen oder Aufenthaltsverbote ausreichen. Im Kontext der vergangenen Wochen, in denen vermehrt Fanszenen aus fadenscheinigen Gründen an ihrer Auswärtsreise gehindert wurden, würde dieser Paragraph das Tor für den Ausschluss großer Fangruppen öffnen. Und eins ist sicher: Sobald der Polizei dieser Hebel in die Hand gelegt wird, wird sie ihn auch nutzen!
Dies sind nur kurze Auszüge aus dem insgesamt 9 Seiten langen Dokument. Wir möchten diese aber mit unserer Stellungnahme öffentlich machen, um aufzuzeigen, was sich hinter verschlossenen Türen zusammenbraut. In Kraft treten sollen diese Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026, was einen ambitionierten Zeitplan bei zugleich herrschender Intransparenz bedeutet.

Da wir den Glauben an eine diskussionsorientierte Lösung bei DFL, DFB und Politik schon längst verloren haben, nehmen wir daher unsere Vereine in die Pflicht, sich diesen geplanten Maßnahmen entschieden und mit allen Mitteln entgegenzustellen!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2026

Stellungnahme Vorkommnisse in Dortmund

Beim gestrigen Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund kam es zu schweren gewalttätigen Übergriffen der eingesetzten Polizeieinheit gegen Fans des FC Bayern.

Mit Befremden hatten wir bereits in den letzten Wochen verfolgen müssen, wie die Dortmunder Polizei mehrfach versuchte, durch gezielte Provokationen und nicht nachvollziehbare Festnahmen eine Eskalation mit der heimischen Fanszene zu provozieren. Wir verweisen hierzu auf die Dokumentation der Fanhilfe Dortmund.

Gestern mussten die Fans des FC Bayern München die neue Dortmunder Linie am eigenen Leib erfahren.

Nachdem es bei der Eintrittskartenkontrolle zu Drängeleien und einem einzelnen Handgemenge mit einem Ordner gekommen war, ging die Polizei unmittelbar und willkürlich gegen umstehende Fans vor. Nachdem sich diese Situation beruhigt hatte, eskalierte die Polizei die Situation mehrfach erneut. Unter dem Vorwand, weitere Personalien feststellen zu wollen, ging die Polizei im Anschluss zum wiederholten Male unnötigerweise auf breiter Front gegen im Umlauf wartende, unbeteiligte Fans vor und setzte dabei willkürlich Schlagstöcke und Reizgas ein. Dabei verletzten sie dutzende Fans, wobei neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden mussten.

Der Polizei wären hierzu wesentlich ungefährlichere Maßnahmen wie Videoüberwachung, die zahlreich eingesetzten szenekundigen Beamten oder auch weniger konfrontative Ansprache zur Verfügung gestanden.
Verletzungen wurden hier also ohne Not bewusst in Kauf genommen.

Nachdem sich die Situation während des Spiels komplett beruhigt hatte, folgte kurz vor Abpfiff eine komplette Gewalteskalation der Polizei, die zu weiteren Verletzten und notwendigen Aufenthalten im Krankenhaus führte.

Besonders verstörend: Der Großteil der eingesetzten Beamten ließ auch deutlich optisch wie verbal ihren Gefallen an dem Angriff auf die Fans erkennen.

In Quantität wie Intensität übertraf das Maß an Polizeigewalt in Dortmund vergleichbare Übergriffe, die wir in Madrid oder Athen erleben mussten. Der gestrige Tag reiht sich damit nahtlos in eine Reihe unverhältnismäßiger polizeilicher Übergriffe gegen Fanszenen im gesamten Bundesgebiet ein.

Südkurve München