Offener Brief an das bayerische Innenministerium

Am 03.09.2019 werden die Geschäftsführer und Sicherheitsbeauftragten der bayerischen Profifußballvereine mit Vertretern des bayerischen Innenministeriums zusammenkommen, um sich über sicherheitsrelevante Themen im Rahmen von Fußballspielen auszutauschen.

In den vergangenen Jahren wurde in der öffentlichen Berichterstattung und durch Äußerungen von Politikern teilweise der Eindruck vermittelt, der Stadionbesuch sei mit Gefahren für Leib und Leben verbunden. Es wurde des Öfteren eine neue Dimension von Gewaltkriminalität heraufbeschworen. In regelmäßigen Abständen werden noch härtere Strafen für „die sogenannten Fans“ gefordert, abstruse Sanktionen, wie beispielsweise Führerscheinentzüge, umgesetzt und ganze Fanlager kriminalisiert. Insbesondere aktive Fußballfans werden häufig als Gefahr für den „normalen“ Stadionbesucher dargestellt.

Doch wie stellt sich die Situation in den bayrischen Stadien tatsächlich dar? Sind die o.g. Szenarien tatsächlich mit Zahlen zu belegen? Müssen fußballbegeisterte Menschen tatsächlich Angst haben, ein Stadion zu betreten und ist die, oftmals hysterisch geführte, Debatte über Fußballfans gerechtfertigt? Um Antworten zu erhalten, stellte Maximilian Deisenhofer, MdL (Bündnis 90/Die Grünen) im bayerischen Landtag eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung.

Der Antwort auf diese Anfrage ist zu entnehmen, dass in der Saison 2018/19 in Bayern ca. 3,6 Mio. (2017/18: ca. 3,4 Mio) Zuschauer die Fußballspiele der Bundesliga, der 2. Liga, der 3. Liga sowie der Regionalliga besuchten. Die Staatsregierung führt aus, Kenntnis darüber zu besitzen, dass sich hierunter 32.313 (30.169) gewaltbereite Fans der Kategorie B und 4.137 (3.794) gewaltsuchende Fans der Kategorie C befinden. Angaben, die bei den folgenden Zahlen zu großer Verwunderung führen.

Im genannten Zeitraum weist die zitierte Statistik 477 (556) Straftaten auf, wobei weder kenntlich ist, um welche Delikte es sich handelt, noch ob die Beschuldigten lediglich angezeigt oder bereits rechtskräftig verurteilt wurden. Des Weiteren zählt die Statistik 88 (98) verletzte Stadiongäste, was einem Anteil von 0,0024 % (0,0029 %) entspricht. Zieht man hiervon die 25 Personen ab, die durch Pfefferspray bzw. Reizgas – und damit durch die Polizei – verletzt wurden, verbleiben 63 Personen. Auch bei diesen 63 Personen ist nicht ersichtlich, ob die Verletzungen durch Gewalteinwirkung (durch gegnerische Fans oder die Polizei), durch Bienenstiche oder beispielsweise Kreislaufbeschwerden resultieren.

Um die Zahlen, und damit die Sicherheit bei Fußballspielen, einschätzen zu können, soll ein Vergleich mit einer anderen Großveranstaltung bemüht werden. Hierbei werden auf die Vergleichszahlen des Münchner Oktoberfestes 2018 zurückgegriffen, bei welchem die Polizei von einer ruhigen und im Wesentlichen friedlichen Wiesn spricht (siehe muenchen.tv und sueddeutsche.de).

 

Fußballspiele

Oktoberfest

Besucher (insgesamt) ca. 3,6 Mio. ca. 6,3 Mio.
Straftaten (absolut) 477 994
(inkl. 1x Körperverletzung mit Todesfolge)
Straftaten (auf 100.000) 13,25 15,78
Verletzungen Gäste (absolut) 88 3.333
(davon 717 durch Alkohol)
Verletzungen Gäste (auf 100.000) 2,44 52,90

Der Statistik ist zu entnehmen, dass sich die Anzahl der begangenen Straftaten lediglich marginal unterscheidet. Allerdings hat das Oktoberfest im anteiligen Vergleich zu Fußballspielen mehr als 20 Mal so viele Verletzte vorzuweisen.

Unser Ansinnen ist es natürlich nicht, repressivere Maßnahmen auf Volksfesten anzuregen, denn im selben Maße, wie sich die Besucher dort sicher fühlen, verhält es sich im Fußballstadion.

Und trotz der aufgeführten Statistik verschließen wir als Fanhilfen nicht die Augen davor, dass der Fußball in Deutschland nicht gewaltfrei ist – wie es eben auch die Gesellschaft nicht ist. Durch die wiederholte Reduzierung einer ganzen Fangemeinschaft auf wenige, vorgeblich problematische Verhaltensweisen, werden viele positive Aspekte (z.B. soziales Engagement, Ehrenamt, Kreativität) im Sozialisationsfeld Fußball in den Hintergrund gedrängt.

Wir fordern Behörden und Ministerien auf, sich differenziert mit Fanverhalten auseinanderzusetzen und einen sachlichen Diskurs anzustreben.

Im Zuge dessen sind darüber hinaus sowohl die Art und Anzahl, als auch die Einsatzstrategien der an Spieltagen eingesetzten Polizeieinheiten zu hinterfragen. In anderen Bundesländern wurden bereits positive Erfahrungen mit Pilotprojekten gemacht, bei denen die Polizei an Spieltagen defensive Einsatzstrategien verfolgt und sich lediglich im Hintergrund hält.

Das o.g. Treffen vom 03.09.2019 zum Anlass nehmend, stellen wir folgende Forderungen an die Vertreter des bayerischen Innenministeriums:

  • Versachlichung der Debatte um Fanverhalten und Fankultur
  • Wertschätzung anstelle von Kriminalisierung aktiver Fußballfans
  • Reduzierung der Anzahl polizeilicher Einsatzkräfte bei Fußballspielen – angepasst an die aktuellen Rahmenbedingungen in bayrischen Stadien
  • Abbau der unverhältnismäßigen Repressionsspirale (insbesondere Betretungs- und Stadionverbote)

Wir erwarten zudem von den Vertretern des bayerischen Innenministeriums sowie der Profifußballvereine im Nachgang des Treffens eine objektive und öffentliche Positionierung zur Debatte „Sicherheit beim Fußball“.

Mit freundlichen Grüßen

1860 München: Blaue Hilfe
Augsburg: Rot-Grün-Weiße Hilfe
Bayern München: Südkurve München
Fürth: Weiss-Grüner Hilfefonds
Nürnberg: Rot-Schwarze Hilfe
Regensburg: Fanhilfe Regensburg i.G.
Unterhaching: Südtribüne Unterhaching
Würzburg: Dallenberg Supporters Club

Erklärung zum vergangenen Spieltag in Stuttgart

VfB Stuttgart-“Sicherheits“- und „Fan“-beauftragte schikanieren die aktive Fanszene des FC Bayern wegen Fahnen und entlarven damit die Lügen des DFB

Anfang letzter Saison hat sich angesichts einer Vielzahl von Missständen und Fehlentwicklungen im deutschen Fußball ein breiter, bundesweiter Protest gegen den Deutschen Fußballbund formiert. Dieser Protest war sehr direkt und deutlich formuliert, aber immer an ehrlichem Dialog interessiert. Es gab in der Folge zwei Gespräche zwischen Vertretern der Verbände und der aktiven Fanszenen. Weiterlesen

NEIN ZUM NEUEN POLIZEIAUFGABENGESETZ (PAG)

Bei den letzten Spielen haben wir Spruchbänder zum neuen Polizeiaufgabengesetz gezeigt, das in den nächsten Wochen für Bayern beschlossen werden soll. Die Dortmunder Ultras haben bei ihrem Gastspiel in München ebenfalls ein NEIN ZUM POLIZEISTAAT, GEGEN DAS PAG präsentiert und damit gezeigt, dass diese Gesetzesänderung auch außerhalb von Bayern als schwerwiegender Einschnitt in die Bürgerrechte wahrgenommen wird.

Der Jurist und Bürgerrechtler Hartmut Wächtler ist vor dem Landtag als Gutachter zu dem geplanten Gesetz aufgetreten und warnt vor einer Polizei mit Machtbefugnissen, wie es sie seit 1945 nicht gegeben hat. Die Veränderungen unserer modernen Informationsgesellschaft mit Internet und sozialen Medien eröffnen der Polizei mit ihren neuen Befugnissen sogar noch viel größere Möglichkeiten.

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SOLIDARITÄT FÜR LUCA

Wie die meisten sicherlich schon mitbekommen haben, liegt Luca, ein Freund von uns aus der Fanszene von Sambenedettese, seit dem 5. November im Koma. Der Hergang der Auseinandersetzung und damit verbunden der schweren Verletzung von Luca ist weiter unklar und trotzdem kann man sagen, dass die Behörden angesichts einer möglichen Verantwortung der eingesetzten Polizeibeamten für Lucas Zustand sehr darum bemüht sind, den Hergang zu verschleiern. In vielen Kurven in Italien und ganz Europa, wie auch in unserer Kurve wurden und werden Spruchbänder gezeigt, um genau das zu verhindern und WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT FÜR LUCA zu fordern und ihm und seiner Familie – Luca ist Vater von zwei Kindern – viel Kraft für seinen Kampf ums Leben zu geben. FORZA LUCA!

Freunde aus San Benedetto haben ein Konto eingerichtet, Ihr könnt dahin Geld für Luca und seine Familie spenden. Sie brauchen es in dieser Situation genauso wie moralischen Zuspruch.

Spenden an:
Betreff: FORZA LUCA!
IBAN: IT 94J 05387 24400 000002621323
BIC: BPMOIT22XXX
Bank: BPER: filiale di San Benedetto del Tronto

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Absage Kurt Landauer-Turnier 2017

Servus Südkurve, Hallo Freunde aus nah und fern,

wir melden uns nicht mal drei Wochen vor dem angedachten Termin für das Kurt Landauer-Turnier 2017 mit traurigen Nachrichten. Leider müssen wir das Turnier dieses Jahr absagen, weil uns Auflagen gestellt wurden, die nicht zu erfüllen sind. Diese Restriktionen hätten es uns unmöglich gemacht ein Turnier zu veranstalten, wie Ihr es alle aus den letzten Jahren kennt. Nachdem die Münchner Polizei, denen ein Turnier gegen Rassismus offensichtlich ziemlich gegen den Strich geht, schon Jahre lang versucht hat, unser Turnier zu verhindern, waren sie dieses Jahr das erste Mal erfolgreich. In der kurzen Zeit war es nicht möglich, einen Ersatzplatz zu finden. Damit fällt das Kurt das erste Mal seit der ersten Auflage im Jahr 2006 aus.

Wir werden uns frühzeitig bemühen, die Grundlagen für ein Kurt Landauer Turnier 2018 zu schaffen.

Wieder mal nehmen uns mit abstrakter Angst begründete Restriktion, Verbote und Einschränkungen die Luft zu atmen und jedes bisschen Freiheit. Das ist nicht nur eine Entwicklung, von der wir als Fußballfans immer wieder und in letzter Zeit bis zur Unerträglichkeit zunehmend betroffen sind, sondern die sich durch die gesamte Gesellschaft zieht. Aber ihr kriegt uns nicht still.

ULTRAS GEGEN RASSISMUS
ULTRAS GEGEN DEN STROM

SCHICKERIA MÜNCHEN